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installation view: BALMORAL RAP, Galerie im Körnerpark, Berlin


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BALMORAL RAP

Installation
CD Player, Audio CD, CD Album with fotos and lyrics, 2006
Kunstverein Ludwigshafen 2006. Galerie im Körnerpark, Berlin 2006

dt/engl
Lieder, die die Kunst schreibt...
annette hollywood schenkt der Stiftung Rheinland-Pfalz ein Musikstück, den Balmoral Rap , was für eine bildende Künstlerin ein eher ungewöhnliches Werk und die Intention für ein solches zunächst rätselhaft ist. Die Vereinigung von Text und Ton scheint seit jeher die ultimative Ausdrucksform von Gefühlen und subjektiven Wahrheiten zu sein. Denn in einem Lied kann von der Liebeserklärung bis hin zur politischen Kritik alles kundgegeben werden. Nach dem deutschen Schlager von Nana Mouskouri Ende der 70er Jahre „Lieder, die die Liebe schreibt sind einfach und sind schön...“, kann sogar ein Jeder mit dem Schreiben „kleiner Melodien“ unvergänglich und somit zur Musikikone, zumindest des eigenen Mikrokosmos, werden.
annette hollywood zieht in ihrem Balmoral Rap ironisch den Vergleich zwischen der Kunststipendiatin im Schloss, also sich selbst, und den Kurgästen in Bad Ems auf der anderen Seite der Lahn. Das Fazit ist eindeutig: Als Künstlerin ist das Leben vor allem unsicher, aber sehr viel interessanter. Das ist eine der Aussagen im Rap, das Werk Balmoral Rap offenbart aber mehr.
Zunächst ist zu bemerken, dass annette hollywood einen Rap geschrieben hat und nicht ein Lied . Der Rap ist ein Sprechgesang, der seine Wurzeln in den afroamerikanischen Großstadtghettos hat. Von DJ’s als kritische Kommentare zur Musik initiiert, beinhaltete der Rap stets politische und soziale Themen. Ende der 70er Jahre, weit weg von Deutschland, hatte der Rap dort Konjunktur, wo selbstorganisierte Partys in den Abrisshäusern der schwarzen Ghettos gefeiert wurden, denn diesem Publikum verweigerten die Clubs den Zutritt. Hier wurden die DJ’s zu Stars. „Lieder, die das Leben schreibt sind nicht einfach und nicht schön...“

Der Rap ist auf CD gebrannt, die annette hollywood in einem CD-Player an der Wand präsentiert, wobei das Ziehen an einer Schnur den Startknopf ersetzt. Die Gestaltung der CD ist reduziert, lediglich von Hand in Schwarz umrandeten, dem Graffiti ähnlichen, Großbuchstaben ist der Titel geschrieben. Das Booklet in der CD-Hülle ist im Stil der erfolgreichen Musikproduktionen gestaltet: Der Titel im persönlichen Schriftzug, Videostills, die die passende Atmosphäre vermitteln, und ein „songbook“, das handgeschrieben die künstlerische Individualität unterstreicht. Präsentiert wird die CD-Hülle mit aufgefaltetem Booklet unter einer Vitrine mit Sockel, womit sich das Kunstwerk als Kunstwerk im klassischen Sinne offenbart. Die durch die Betrachter autonome Benutzbarkeit des CD-Players steht hierzu im Kontrast. Doch an die Stelle der schützenden Vitrine tritt akustisch die fast warnende Textzeile des Raps: „Hey, das ist kein Nap, das ist der Balmoral Rap!“.
Wer inszeniert hier wen? Ist annette hollywood Rapperin oder bildende Künstlerin, oder gar beides? Das Hin- und Herzappen von der eigenen (Betrachter-)Position in verschiedene Rollen durchzieht ihre gesamten Arbeiten, dabei greift sie direkt in das Medium ein, um festgefahrene Bilder zu dekonstruieren. Die übergeordnete Fragestellung lautet: Wie wird eine Künstlerin durch die Medien zum Star gemacht ?
Im Balmoral Rap legt annette hollywood mit Humor offen, wie simpel die Mechanismen der Medienwelt sind. Die Reflektion darüber, welche Klischees und Bilder für jeden selbst gültig sind, wird dabei unumgänglich.
Der Balmoral Rap kann als eine Weiterführung der Arbeit „Art Karaoke“ gesehen werden. Hier ersetzte annette hollywood in den Popsongs der 70er bis 90er Jahre das Wort „Love“ durch „Art“. Die „neuen“ Texte wurden in einer animierten Videoprojektion zum Mitsingen für das Publikum an die Wand geworfen. So wurde nicht die Künstlerin, sondern das sonst konsumierende Kunstpublikum selbst zum agierenden Star. Bei dieser Interaktion wurden die profanen Muster und die Austauschbarkeit der so erfolgreichen Popkultur offenbar. „Lieder, die die Kunst schreibt...“


Constanze Musterer

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engl