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Mainz meets hollywood
Sabine Kampmann dt.
Lieder, die die Kunst schreibt
Constanze Musterer dt.
Willkommen in
Hobbywood
Uli Wegenast dt.
punching through the screen
Heidi Fichtner engl/dt
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Katalogbeitrag für MACH DIR EIN BILD VON ANNETTE HOLLYWOOD
Heidi Fichtner
Punching through the screen with the punch of Punch and Judy
engl/dt
Assuming an artistic posture which melds self-reflection with a sly sense of humor, annette hollywood’s installation mach dir ein bild von annette hollywood questions whether there are not perhaps multiple spaces for interpretation and interaction between the realm of an artwork, that of an artist and that of the audience. Springing ruptures into the literal and metaphorical screens onto which circumscribed images and identities are typically projected, hollywood creates throughways between her audience and the representation of her subject – in this instance herself – thus proposing a sophisticated theoretical framework for interactivity via relatively simple material means. As in her video works and other installations, with mach dir ein bild hollywood aims to create spaces, or to open up new arenas for (inter)action between the world of fantasy – or that which is perceived, projected or remembered – and that of everyday reality.
Entering the exhibition space, one is immediately drawn into a web of associations and correspondences between the observed and the observer. Sixteen sketched portraits of the artist hang on the far wall in a grid while eight monitors placed around the room record the process of each of those individual portraits being sketched by various street artists in New York City. Thus we have the image of hollywood as seen through the eyes of sixteen different portraitists, and then we have the image of hollywood on the video monitors as taped during the drawing sessions by yet another set of eyes, those of Anna Gollwitzer, who in this instance serves as camera operator. We are observing someone observe someone else and then observing she who is being observed. My eye records the chain of observations, instantly recognizing its own intrinsic role implied in the multiple levels of interpretation. And then there is this document before us, a kind of fifth eye in this story of representation. Will the real annette hollywood please stand up?
Combining her own native humor with an attitude of utter sincerity, hollywood recycles media phenomenon – drama/entertainment/stardom – flipping the screen between portrayer, portrayed and receiver, creating multi-layered narratives which question the boundary between what is real and what merely fictive. As in some of her earlier video pieces in which hollywood tries to make personal contact with the projected actors in a film or to reach back into her own foregone history via an interaction with family films from her childhood, in mach dir ein bild the audience is analogously drawn into the dynamic strivings of the artist. We are forced to consider whether there is not something “real” evidenced there in the portraits which we are overlooking in the annette hollywood who stands before us. Going yet a step further in her inquiries than in earlier pieces, hollywood plays on the both sides of the screen in this instance (thus also doing comic justice to her assumed name), having now positioned herself as the projected image on the monitor.
The installation mach dir ein bild von annette hollywood poses critical questions regarding notions of identity and representation – who is the real annette hollywood? What is real and what artificial and is there not a vantage point from which we can slip between the two? Like the intricate web spun by a spider, annette hollywood’s work captures our fascination and unhinges our usual sense of security that the multitude of images and dramatic portrayals which we encounter every day simply are as they appear, no more and no less.
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dt
Punching through the screen with the punch of Punch and Judy*
annette hollywoods Installation mach dir ein bild von annette hollywood untersucht, ob es zwischen den Sphären von Kunstwerk, Künstler und Betrachter möglicherweise vielfache Räume der Interpretation und Interaktion geben könnte. Die Künstlerin nimmt dabei eine Haltung ein, in der Selbstreflexion mit hintergründigem Humor verschmolzen wird. Indem annette hollywood tatsächliche und metaphorische Brüche auf den Flächen entstehen lässt, auf die gewöhnlich fest definierte Bilder und Identitäten projiziert werden, schafft sie Öffnungen zwischen ihrem Publikum und der Darstellung ihres Themas – in diesem Fall ihrer selbst. Sie stellt so mit relativ einfachen technischen Mitteln einen anspruchsvollen, theoretischen Rahmen für eine interaktive Auseinandersetzung her. Wie in ihren Videos und ihren anderen Installationen, so will hollywood auch mit mach dir ein bild Räume schaffen und der (Inter)aktion zwischen der Welt der Phantasie – oder dem, was wahrgenommen, projiziert und erinnert wird – und der Welt der Alltagsrealität neue Felder eröffnen.
Betritt man den Ausstellungsraum, wird man unverzüglich in ein Netz von Assoziationen und Korrespondenzen zwischen Beobachtetem und Beobachter gezogen. Sechzehn Portraitzeichnungen der Künstlerin hängen im Block an der hinteren Wand, während man auf acht im Raum verteilten Monitoren verfolgen kann, wie jedes dieser Portraits von einem anderen Straßenkünstler in New York City gezeichnet wurde. Gezeigt wird uns somit zum einen das Bild der hollywood gesehen mit den Augen von sechzehn unterschiedlichen Portraitisten, und zum anderen das Bild der hollywood auf den Video-Monitoren, aufgenommen während der Portraitsitzungen durch ein weiteres Paar Augen, nämlich das von Anna Gollwitzer, die hier als Kamerafrau fungierte. Wir beobachten jemanden beim Beobachten einer anderen Person, und gleichzeitig beobachten wir diejenige, die beobachtet wird. Mein Auge erfasst die Kette der Beobachtungen und erkennt dabei unmittelbar die eigene immanente Rolle, impliziert durch die mehrfachen Ebenen, auf denen die Arbeit gelesen werden kann. Und dann gibt es da noch den vorliegenden Text – eine Art fünftes Auge in dieser Erzählung der Abbildungen. Die echte annette hollywood möchte sich bitte erheben!
hollywood verbindet in ihrem Vorgehen den ihr eigenen Humor mit einer Haltung absoluter Aufrichtigkeit. Sie recycled Medienphänomene – Drama/Unterhaltung/Starkult – und, indem sie die Projektionsfläche zwischen Portraitzeichner, Portraitierter/m und Betrachter umkehrt, produziert sie vielschichtige Narrationen, die die Grenze zwischen dem Realen und dem ausschließlich Fiktivem hinterfragen. Wie in einigen ihrer früheren Video-Arbeiten, in denen hollywood versucht, einen persönlichen Kontakt herzustellen zu den handelnden Figuren in einem Film, oder eine Verbindung zu ihrer eigenen Geschichte zu erreichen, indem sie mit Familienfilmen aus ihrer Kindheit interagiert, so wird in mach dir ein bild der Betrachter in vergleichbarer Weise in die dynamischen Bemühungen der Künstlerin verwickelt. Wir werden zu der Überlegung gezwungen, ob in den Portraits etwas „Reales“ sichtbar wird, das wir an der annette hollywood, die vor uns steht, übersehen haben. In mach dir ein bild geht hollywood in ihren Untersuchungen einen Schritt über ihre früheren Arbeiten hinaus, indem sie in dieser Arbeit auf beiden Seiten der Bildfläche agiert (und so auch ihrem angenommenen Namen auf komische Art und Weise gerecht wird), und sich jetzt als projiziertes Bild auf dem Monitor positioniert.
Die Installation mach dir ein bild von annette hollywood befragt kritisch die Begriffe und Vorstellungen von Identität und Repräsentation – wer ist die wirkliche annette hollywood? Was ist real und was künstlich, und gibt es möglicherweise einen Punkt, an dem wir zwischen diese beiden Ebenen schlüpfen können? Wie ein kompliziertes Netz, von einer Spinne gewoben, fasziniert uns die Arbeit von annette hollywood und hebelt die uns eigene Sicherheit aus, dass die vielen Bilder und dramatischen Darstellungen, die uns täglich begegnen, nur das sind, was sie zu sein scheinen, nicht mehr und nicht weniger.
• Punch and Judy: Kasperlefiguren im anglo-amerikanischen Sprachraum. In der volkstümlichen Punch and Judy Show tragen der buckelige und hakennasige Punch (engl. (Faust)schlag) und seine Frau Judy eine komisch-grobe Prügelei aus.
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